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Die Zukunft Barrierefrei

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Ein Bericht über den Besuch beim parlamentarischen Abend in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig unter dem Motto „Die Zukunft Barrierefrei“ von Andreas R.

Am gestrigen Dienstag lud die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) gemeinsam mit dem Blinden- und Sehschwachenverband Sachsen e. V. (BSVS) zum Parlamentarischen Abend unter dem Motto „Die Zukunft Barrierefrei“ ein.

Zu der Veranstaltung waren auf Nachfrage auch die Piraten Leipzig eingeladen, die durch Heiko W. und Andreas R. vertreten waren.

Die Veranstaltung war als Lobbyveranstaltung konzipiert wurden und hatte das Ziel die geladenen Vertreter des Bundestags, des sächsischen Landtags und der sächsischen Staatskanzelei für die Probleme der kommunikativ/ rezeptiv eingeschränkten Mitbürger zu sensibilisieren.

In die Thematik führte Nuray Güler mit ihrem Impulsreferat „Wie nutzen Blinde das Internet?“ ein. Sie berichte über die Probleme blinder Menschen mit unstrukturierten Dokumenten und führte diese live anhand von strukturiertem und unstrukturiertem PDF und einer Vorlesesoftware vor. Das sich Firmen in ihren Produkten auch Gedanken über Barrierefreiheit machen, konnte sie eindrucksvoll ausgerechnet an einem nicht speziell angepaßtem Iphone-Handy der Firma Apple nachweisen. Als
Fazit ihres Vortrages könnte man festhalten, daß eine simple Auszeichnung und Strukturierung von Dokumenten durch, zum Beispiel in allen Textverarbeitungen angebotene Strukturierungsvorlagen, relativ unaufwendig blinden Menschen die barrierefreien Navigation ermöglicht und überdies auch sehenden einen besseren Überblick verschafft. Nuray Güler ist Fachinformatikerin in Ausbildung und z. Zt. in der DZB beschäftigt.

Der darauffolgende Vortrag von Dietmar Gattwinkel, Mitarbeiter der Sächsischen Staatskanzelei berichtete in seinem Vortrag „Gesetzliche Handlungsspielräume und -notwendigkeiten“ zum einen über den Willen der Staatskanzelei die Vorgaben aus der UN-Behindertenrechtskonvention in entsprechende Gestaltungsrichtlinien umzusetzen. Zum anderen zeigte er typische Problemfelder der aktuellen sächsischen Behörden auf. So sind die einzelnen Abteilungen überlastet, leiden unter einer starken Fluktuation der Mitarbeiter und der zunehmenden Diskrepanz zwischen technischem Fortschritt auf der einen und immer komplexer werdenden Anforderungen an Barrierefreiheit auf der anderen Seite. Als konkrete Beispiele führte er ua. an, daß heute Mitarbeiter oder auch Externe PDF-Dokumente mit gescannten Dokumenten verschicken, deren Inhalt nur für Sehende zugänglich ist. Gerade bei dem Beispiel, so Gattwinkel, zeigte sich, dass das PDF als Scan mehrere Megabyte groß war und bei Versendung als PDF mit OCR aufbereitet nur noch 50kB groß gewesen sei. Als weiteres Beispiel wurde von ihm aufgezeigt, dass bei Berücksichtigung der Richtlinien für Barrierfreiheit die Nutzung von Web 2.0-Techniken, wie Ajax, Flash oder Video kaum möglich sein dürfte. Er mahnte daher dringend an, externe Berater ins Boot zu holen, die sich auf die barrierefreie Aufbereitung von Multimedialen Inhalten spezialisiert hätten. In der darauffolgenden Diskussion wurde von seitens der geladenen Gäste und Behindertenverbände die Staatsregierung aufgefordert, doch verstärkt Behinderte einzustellen, die ja ihre Erfahungen einbringen könnten. Ebenfalls wurde in der Diskussion kurz dargestellt, dass sich die Technische Universität Dresden, die Uni Leipzig und die HTWK Leipzig in ihren medialen Studiengängen verstärkt Barrierefreiheit behandeln.

Im folgenden gab es einen Beitrag von Jens Langhof vom Landesverband der Gehörlosen Sachsen e. V., der in Gebärdensprache von den täglichen Barrieren der Gehörlosen berichtete. Es war ein sehr emotionaler Vortrag und machte einem bewusst, wie selbstverständlich für uns sprachliche Kommunikation ist und welch tiefgreifende Auswirkungen es hat, auf das Kommunikationsmittel gesprochene Sprache verzichten zu müssen. Leider waren die Forderungen des Landesverbandes in meinen Augen zwar wünschenswert und verständlich, aber unrealistisch. So wünschte sich Herr Langhof einen Gebärdendolmetscher auf Abruf, der ihn bei seinen täglichen Geschäften begleitet und begründet dies mit dem Recht auf Rede- und Meinungsfreiheit. Hier hätte ich mir eine differenziertere Darstellung gewünscht um die Akzeptanz für die Bereitstellung von Hilfen für Behinderte in der Gesellschaft zu stärken.

In dem nachfolgenden Referat “Menschenrechtskonventionen, Barrierefreiheit & die Bedeutung der Leichten Sprache„ stellten der Direktor der DZB Dr. Kahlisch und die Soziologin Anja Seidel das Forschungsfeld „Leichte Sprache“ eindrucksvoll in einem Dialog vor. „Leichte Sprache“ ist eine grammatikalisch einfache, weitgehend in Hauptsätzen und unter Vermeidung von Fremdwörtern genutzte Sprache, die es geistig behinderten Menschen ermöglicht, Produktbeschreibungen, Bücher, Anleitungen oder sonstige Dokumentationen zu verstehen und nachvollziehen zu können. In dem genannten Dialog trug Herr Dr. Kahlisch den Einladungstext zur Veranstaltung bewusst unter Verwendung mehrerer Schachtelungsebenen und Füll- und Fremdwörtern in typischem Politikerdeutsch vor. Frau Seidel stellte den gleichen Inhalt in „leichter Sprache“ dar und so gelang es beiden anschaulich die Bedeutung dieses Feldes der Barrierefreiheit herauszustreichen. Im Weiteren wurde von beiden Vortragenden das Thema „Universelles Design“ ins Spiel gebracht. Darunter wird verstanden, dass man Gegenstände, Produkte, mediale Inhalte so konzipiert, dass sie von jedem, egal ob jemand eine spezifische Behinderung hat oder nicht, verstanden und konsumiert werden können. Als Beispiel wurde das Buch „Wegweiser Schwangerschaft“ vorgestellt, welches in „leichter Sprache“ verfasst und via Daisy 3.0 für verschiedene Ausgabemedien genutzt werden kann. Damit „universelles Design“ stärker in den Mittelpunkt rückt, wird die Gründung eines Kompetenzzentrums mit Unterstützung der Behindertenverbände, der DZB und des sächsischen Staates angestrebt.

Insgesamt war dies ein interessanter Abend und auch für die Piraten ergeben sich viele Schnittpunkte, zum Beispiel die Förderung freier Standards, der freie Zugang zu Wissen, sowie Stärkung der Bildung.

Im folgenden nochmal die einzelnen Akteure:

Thema „Leichte Sprache“ und „Universelles Design“
Dr. Marion Michel (Medizinsoziologin)
marion.michel@medizin.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~sasm
Anja Seidel (Soziologin)
http://www.uni-leipzig.de/~sasm

Thema „Blindenschrift, Daisy, Universelles Design“
Dr. Thomas Kahlisch
Direktor Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
http://www.dzb.de
thomas.kahlisch@dzb.de

Schirmherrin der Veranstaltung
Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer
Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sachsen
http://www.smwk.sachsen.de/270.html
buergerbeauftragter@smwk.sachsen.de

Thema „Bildbeschreibung, Mediale Inhalte für Blinde“
Prof. Dr. rer. nat. habil. Gerhard Weber
http://www.inf.tu-dresden.de/index.php?node_id=937&ln=de

Karl Finke
Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen (Land Niedersachsen)
karl.finke@ms.niedersachsen.de

Thema „Gesetzliche Vorgaben“
Dietmar Gattwinkel
Sächsische Staatskanzlei
dietmar.gattwinkel@dd.sk.sachsen.de

Jens Langhof
Landesverband der Gehörlosen Sachsen e.V.
j.langhof@deaf-sachsen.de

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