Freiheit für Bradley Manning
Seit fast einem Jahr sitzt der Whistleblower Bradley E. Manning in der Marine Corps Basis Quantico in Einzelhaft. Jetzt droht dem 23-jährigen Nachrichtenanalysten, aufgrund seines beispiellosen Gerechtigkeitssinns, die Todesstrafe. (von Matthias Stein und Robert Manigk)
Freiheit für Bradley Manning!
Die Geschichte hinter Wikileaks
Vor beinah einem Jahr, am 5. April 2010, wurde auf der Whistleblower-Plattform Wikileaks das Video „Collateral Murder“ veröffentlicht. Das Video zeigte eine Szene aus dem Irak-Krieg, die in einem Kampfhubschrauber aufgenommen wurde. Zu sehen waren mehrere zivile Personen, auf die die Besatzung des Helikopters aus sicherer Entfernung das Feuer eröffnete. Bei diesem Angriff wurden, neben mehreren irakischen Zivilisten, auch zwei Reuters-Mitarbeiter getötet. Das schockierende an dem Video war die martialische Vorgehensweise der Soldaten, die sich während des Angriffs gegenseitig anfeuerten.
Wenige Wochen später hatte das U. S. Militär den Schuldigen für diese Veröffentlichung, den 23 jährigen Nachrichtenanalysten Bradley E. Manning, gefunden. Er wurde nach seiner Verhaftung Ende Juni 2010 in ein Gefängnis auf der Marine Corps Base Quantico verlegt. Seitdem sitzt Manning in Einzelhaft und ist Haftbedingungen ausgesetzt, die von Amnesty International „unmenschlich“ genannt werden. Aufgrund der Einstufung als stark suizidgefährdet, die von dem betreuenden Psychiater nicht gestützt wird, sieht er sich systematischen Schlafentzug, fehlender Decken, sowie Entzug der Kleidung, welcher die Entblößung der Scham vor dem Wachpersonal zur Folge hat, ausgesetzt.
Anfang März wurden gegen Manning 22 neue Anklagepunkte erhoben, darunter der Vorwurf der „Kollaboration mit dem Feind“. Im Falle einer Verurteilung droht ihm dabei die Todesstrafe.
„Information should be free, it belongs in the public domain“
In anbetracht dessen, dass die Schützen des Helikopters straffrei davon gekommen sind, ist es grotesk, dass Manning, welcher mit seiner Tat viel für die Informationsfreiheit getan hat, nun eventuell die Todesstrafe droht. Die Informationen, die Manning veröffentlichte, waren für die Weltöffentlichkeit wichtig, da sie einen Einblick in das unausgewogene Kräfteverhältnis der USA gegenüber dem Irak und das schreckliche Gesicht des Krieges zeigen.
Wir sind der Meinung das Informationen, die die Öffentlichtkeit betreffen, ihr auch zugänglich gemacht werden müssen. Deshalb fordern wir Transparenz in der Politik, ein Informationsfreiheitsgesetz für Sachsen, sowie einen Schutz für sogenannte Whistleblower. Also für Leute, welche brisante Informationen veröffentlichen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind. Bradley Manning hat niemandem einen tatsächlichen nachweisbaren Schaden zugefügt und somit die Freiheit verdient. Des Weiteren finden wir die unsägliche Hetzkampagne gegen Manning in den USA unerträglich. Eine Gesellschaft, die sich so wortreich der Freiheit und Demokratie verschrieben hat, sollte Mannings Taten eher würdigen, denn verurteilen.
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